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Elizabeth steht auf dem Hof ihrer Schule und erzählt von der letzten großen Schießerei, die sie im Viertel gegenüber beobachtet hat. Dann nimmt sie ihre Trompete und bläst dem umkämpften, gewaltgewöhnten Viertel fast trotzig die Sinatra-Melodie "I did it my way" entgegen. Der klare Klang ihres Instruments ist weit zu hören. In 20 der armen Randbezirke von Kolumbiens Kokain- und Verbrechens-Metropole Medellin kann es einem passieren, dass man plötzlich Musik wahrnimmt, wo sie dem Anschein nach gar nicht hin- gehört. "Ich dachte immer, dass sei nur etwas für die obere Klasse", sagt die Mutter von Marisol, "ich war sehr stolz, als ich meine Mädchen das erste Mal mit Instrument sah." Dass klassische Musik in Medellin nicht mehr nur Sache der Oberschicht ist, liegt an "Amadeus", einer städtischen Stiftung, die seit 1997 versucht, Kinder mittels Musikunterricht von der Straße zu holen. Auch, damit sie nicht leichte Beute für die Rekrutierungseinheiten der Banden werden, die große Teile der Stadt beherrschen. Eduard Wininger hat einige dieser Schüler in ihrem Alltag zwischen Straßengewalt, Familienleben und ihrer Liebe zur Musik beobachtet. Die 12-jährige Marisol steht in ihrem beengten Kinderzimmer und übt die Geigenstimme eines Bach-Konzerts. Ohne die Kurse bei "Amadeus" hätte wohl niemand von ihrem Ausnahmetalent erfahren. Jetzt träumt sie davon, eine große Violinistin zu werden. "Es ist ein Wunder, dass dieses Mädchen gefunden wurde", sagt
Alessio Benvenuti angetan. Der italienische Konzertviolinist hat mit den Besten des "Amadeus"-Symphonie-Orchesters Beethovens Violinkonzert gespielt - und dann der kleinen Marisol Meisterkurse gegeben. Über die erfreuliche Entdeckung von Marisols Talent und ihre mögliche Karriere wird nicht vergessen, dass das eigentliche Ziel der Stiftung viel näher liegt: Den Kindern einen Sinn zu geben in ihrem harten Alltag. Dass das vielfach gelingt, zeigt dieser Film eindrucksvoll.
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